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In Gier (2000) entwirft Elfriede Jelinek ein düsteres Panorama männlicher Gewalt und gesellschaftlicher Korruption. Im Mittelpunkt steht der Polizist Kurt Janisch, ein äußerlich angesehener Bürger, der seine Position und seinen Charme nutzt, um Frauen zu verführen, finanziell auszubeuten und zu kontrollieren. Hinter der Fassade bürgerlicher Normalität verbirgt sich ein rücksichtsloser Machtmensch, dessen Trieb nach Besitz und sexueller Befriedigung ins Verbrecherische eskaliert. Seine Opfer sind Frauen aus der Provinz, die in der Hoffnung auf Liebe oder Sicherheit in seine Abhängigkeit geraten. Janisch verführt sie, nutzt sie aus, enteignet sie symbolisch wie real und geht schließlich so weit, dass er eine Frau in den Tod treibt. Dabei zeigt Jelinek, dass sein Verhalten kein individueller Ausreißer, sondern Ausdruck tief verwurzelter patriarchaler Strukturen und einer Gesellschaft ist, die Besitz, Gier und Machtausübung legitimiert. Die Sprache des Romans ist radikal: lange, mäandernde Sätze, Wortspiele und Assoziationsketten verweben individuelle Geschichte mit kollektiver Schuld, österreichischer Nachkriegsgesellschaft und Kapitalismuskritik. „Gier“ ist weniger Kriminalroman als schonungslose Bestandsaufnahme: Die Gewalt des Einzelnen ist untrennbar verknüpft mit den gesellschaftlichen Mechanismen, die sie hervorbringen und verschleiern. Am Ende bleibt keine Läuterung, keine Hoffnung – Jelinek führt vor, dass Gier ein zerstörerisches Grundprinzip moderner Gesellschaft ist, das Menschen zu Objekten degradiert und alle moralischen Schranken sprengt. |